EU AI Act im Mittelstand
Was das EU-KI-Gesetz verlangt, für wen es gilt, welche Fristen laufen und was Unternehmen jetzt konkret tun sollten.
Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) regelt Einsatz und Inverkehrbringen von KI nach dem Risiko des Anwendungsfalls: Je stärker KI Menschen beeinflusst – etwa bei Bewerbungen, Kreditvergabe oder Sicherheit –, desto strenger die Pflichten. Er betrifft nicht nur KI-Hersteller, sondern auch Unternehmen, die KI nutzen oder in Prozesse integrieren. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 35 Mio. EUR oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes.
Stand: Oktober 2026
Für wen ist der EU AI Act relevant?
Für den deutschen Mittelstand gilt er, sobald Sie KI auf eine dieser Arten einsetzen:
Sie nutzen KI
Zum Beispiel Chatbots, Text- und Bildgeneratoren, Analytik, HR-Tools oder Copilots.
Sie integrieren KI in Prozesse
Etwa im Kundenservice, im Vertrieb, im Personalwesen oder in der Produktion.
Sie bieten KI am Markt an
Sie bauen KI in eigene Produkte oder Dienstleistungen ein und stellen sie Kunden bereit.
Vier Risikostufen
Der EU AI Act ordnet KI-Anwendungen nach ihrem Risiko ein. Die Stufe bestimmt, welche Pflichten gelten.
Unannehmbares Risiko
Bestimmte Praktiken sind untersagt, z. B. Social Scoring oder manipulative KI, die Schwächen von Menschen ausnutzt.
Hohes Risiko
Etwa KI in Personalauswahl, Kreditwürdigkeitsprüfung, Bildung oder kritischer Infrastruktur – mit umfangreichen Pflichten zu Risikomanagement, Dokumentation und menschlicher Aufsicht.
Begrenztes Risiko
Z. B. Chatbots oder KI-generierte Inhalte: Menschen müssen erkennen können, dass sie mit KI interagieren.
Minimales Risiko
Die meisten Anwendungen wie Spamfilter oder Empfehlungen – keine besonderen Pflichten, aber KI-Kompetenz der Nutzer ist trotzdem gefordert.
Fristen im Überblick
Der EU AI Act gilt gestaffelt. Frühe Phase, Übergangsphase, Vollbetrieb – die wichtigsten Stichtage:
01.08.2024
Inkrafttreten
Die Verordnung ist in Kraft; die Pflichten greifen schrittweise.
02.02.2025
Verbote und KI-Kompetenz
Verbotene KI-Praktiken sind untersagt. Unternehmen müssen für ausreichende KI-Kompetenz ihrer Mitarbeitenden sorgen (Art. 4).
02.08.2025
KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck
Pflichten für Anbieter von General-Purpose-AI-Modellen, Aufbau der Aufsichtsstrukturen und Sanktionsregeln.
02.08.2026
Hochrisiko (Anhang III) und Transparenz
Der Großteil der Pflichten wird wirksam, u. a. für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III und die Transparenzpflichten.
02.08.2027
Hochrisiko in regulierten Produkten
Pflichten für KI als Sicherheitskomponente in Produkten, die bereits EU-Produktrecht unterliegen (Anhang I).
Die EU-Kommission hat mit dem sogenannten „Digital Omnibus“ Anpassungen einzelner Hochrisiko-Fristen vorgeschlagen. Maßgeblich ist der jeweils geltende Rechtsstand – unabhängig davon sind Inventar, Regeln und Verantwortlichkeiten die Basis für alles Weitere.
Was der EU AI Act von Unternehmen erwartet
Transparenz
Erkennbar machen, wenn KI im Spiel ist – zum Beispiel beim Kundenchatbot.
Verantwortung & Kontrolle
Wichtige Entscheidungen dürfen nicht ungeprüft an KI delegiert werden; es braucht menschliche Aufsicht.
Risikoorientierung
Höhere Anforderungen in sensiblen Einsatzfeldern wie Personal oder beim Zugang zu Leistungen.
Dokumentation & Nachweise
Nachvollziehbar machen, welche KI wofür genutzt wird und wie Risiken gemanagt werden.
Lieferanten- und Einkaufsdisziplin
Bei KI-Software Nachweise, Nutzungsgrenzen und Verantwortlichkeiten mit dem Anbieter klären.
KI-Kompetenz
Mitarbeitende und Führungskräfte für sichere Nutzung, Grenzen und Eskalation schulen.
Was Sie jetzt konkret tun sollten
Acht Aufgaben, mit denen Sie die Grundlage für EU-AI-Act-Konformität schaffen:
KI-Inventar erstellen
Welche KI wird wo genutzt – inklusive „inoffizieller“ Tools?
Use Cases klassifizieren
Unkritisch oder sensibel bzw. hoch relevant (z. B. HR)?
KI-Leitlinie einführen
Was ist erlaubt, was verboten? Welche Daten dürfen eingegeben werden?
Verantwortliche benennen
Fachseite, Compliance/Legal, Datenschutz und IT-Sicherheit – keine IT-Alleinaufgabe.
Kontrollpunkte definieren
Wo muss ein Mensch prüfen oder entscheiden?
Lieferanten prüfen
Was garantiert der Anbieter, welche Dokumente liefert er, was steht im Vertrag?
Schulen
Führungskräfte und Mitarbeitende auf sichere Nutzung, Grenzen und Eskalation trainieren.
Vorfallprozess festlegen
Vorgehen bei Fehlern, Beschwerden, Datenabfluss oder auffälligen Ergebnissen.
Mögliche Bußgelder
Je nach Schwere des Verstoßes gilt jeweils der höhere der beiden Beträge:
35 Mio. € / 7 %
bei verbotenen KI-Praktiken
15 Mio. € / 3 %
bei Verstößen gegen andere Pflichten, z. B. für Hochrisiko-KI
7,5 Mio. € / 1 %
bei falschen oder unvollständigen Angaben gegenüber Behörden
Prozentangaben beziehen sich auf den weltweiten Jahresumsatz; für KMU und Start-ups gilt jeweils der niedrigere Betrag. Zusätzlich möglich: Untersagung oder Einschränkung von KI-Einsätzen, Nachbesserungsauflagen sowie indirekte Vertrags- und Marktschäden, etwa der Ausschluss aus Ausschreibungen.
Die Risiken, wenn KI nicht im Griff ist
Neben Bußgeldern drohen Haftung, Datenabfluss und Reputationsschäden. Und immer mehr Kunden und Ausschreibungen verlangen KI-Compliance-Nachweise.
So setzen Sie KI-Governance um- Rechts- und Bußgeldrisiko durch falsche Einstufung
- Haftung bei Fehlentscheidungen, z. B. in HR
- Datenabfluss durch „Shadow AI“
- Reputationsschäden durch öffentlich gewordene KI-Pannen
- Geschäftsrisiko: fehlende Nachweise in Ausschreibungen
Hinweis: Diese Seite gibt einen allgemeinen Überblick und stellt keine Rechtsberatung dar.
Häufige Fragen zum EU AI Act
Ja. Auch Betreiber, also Unternehmen, die KI einsetzen, haben Pflichten – etwa zu Transparenz, menschlicher Aufsicht und KI-Kompetenz. Besonders streng sind sie bei sensiblen Einsatzfeldern wie Personal.
Seit 02.02.2025 gelten die Verbote und die KI-Kompetenzpflicht, seit 02.08.2025 Pflichten für General-Purpose-AI-Modelle. Ab 02.08.2026 wird der Großteil wirksam, darunter Hochrisiko-Systeme nach Anhang III; KI in regulierten Produkten folgt ab 02.08.2027. Für einzelne Hochrisiko-Fristen hat die EU-Kommission Anpassungen vorgeschlagen.
Bis zu 35 Mio. EUR oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes bei verbotenen Praktiken, bis zu 15 Mio. EUR oder 3 % bei anderen Pflichtverstößen und bis zu 7,5 Mio. EUR oder 1 % bei falschen Angaben. Für KMU gilt der jeweils niedrigere Betrag.
Ein KI-Inventar erstellen, die Use Cases grob klassifizieren und Verantwortliche benennen. Inventar, Regeln und Verantwortlichkeiten sind die Basis für alles Weitere.
Mit einer kostenlosen 30-minütigen Risiko-Triage, Beratungspaketen zum Festpreis (Einstieg ab 12k EUR), einer KI-Governance-Software und rollenbasierten Schulungen nach Art. 4. Rechtsberatung und Zertifizierung leisten wir nicht.
Fragen zum EU AI Act?
Beschreiben Sie kurz Ihre KI-Anwendungen – wir schätzen gemeinsam ein, was für Sie gilt.
